Für eine wachsende Zahl von Menschen spielen einzelne Produkte eine so große Rolle für ihren Gefühlshaushalt und die Prozesse der Identitätsbildung, dass sie sich nicht mehr damit begnügen, als 'Verbraucher' aufzutreten; vielmehr verleihen sie dem Bedürfnis Ausdruck, über die Bedeutung der Produkte für ihr Leben zu reflektieren. So dokumentieren sie ihr Verhältnis zu Konsumprodukten etwa mit Fotografien, die sie dann im Internet veröffentlichen. An diesem Abend sollen Stellenwert und Qualität solcher Auseinandersetzungen mit der Konsumwelt vorgestellt und diskutiert werden. Und es soll darum gehen, ob die Konsumenten nicht längst viel subtiler und souveräner im Umgang mit Produkten sind, als Hersteller und Marketing es ihnen zutrauen würden. Von da aus eröffnet sich schließlich eine Perspektive für die Zukunft der Konsumkultur.
Kürzlich ist von Wolfgang Ullrich im FUNDUS Verlag erschienen:
Wohlstandsphänomene. Eine Beispielsammlung, Hamburg 2010.
Handreichung für die Diplom-Konsumenten von Prof. Wolfgang Ullrich
Konsumkriterien
1. Kriterien für den Gebrauchswert
Hierzu bieten die Publikationen der Stiftung Warentest im Allgemeinen gute Überblicke
2. Kriterien für den Inszenierungswert bzw. ästhetischen Wert
Wie ist das Design des Produkts angelegt: welche und wie viele verschiedene Sinnesreize gehen von ihm aus, wie sind sie eventuell aufeinander abgestimmt? Passen visuelle und ggf. olfaktorische, haptische, akustische Reize zusammen?
Welche Assoziationen wecken die Formsprache oder Materialien eines Produkts bzw. seiner Verpackung? Sieht es aus wie etwas anderes (ein Duschgel z.B. wie ein Honigspender, eine Olivenölflasche wie ein Parfumflacon)? Welche Metaphern kommen durch das Design ins Spiel – und was bedeuten solche semantischen Codierungen für das Produkt?
Wie wird die Handlung oder Situation, für die ein Produkt gemacht ist, von diesem interpretiert? Wird die Handlung/Situation damit aufgewertet, bewusster erlebbar, wird sie überhöht oder eher zum Spaß erklärt?
In welche Rolle wird der Konsument durch die Produktinszenierung gebracht? Wird er zum Sieger gemacht, zum Coolen, zum Profi, zum Kenner, zum Kämpfer etc.? Wie soll er sich fühlen und in welche Position gerät er gegenüber anderen Menschen – sowohl gegenüber Nutzern desselben Produkts/derselben Marke als auch gegenüber denen, die es nicht erwerben?
Welche gesellschaftlichen Werte werden durch die Inszenierung stark gemacht? Wird z.B. Wettbewerb positiv als sportliches Ereignis dargestellt – oder Entspannung als Selbstfindungschance gefeiert? Wird das starke Individuum propagiert? Wie werden die Verhältnisse zwischen den Geschlechtern inszeniert? Mit welchen Plots wird gearbeitet? Wird z.B. eine gute alte Zeit beschworen oder Lust auf eine (bessere) Zukunft gemacht?
3. Kriterien für den sozialen und ökologischen Wert
Wie ressourcenaufwendig ist das Produkt hergestellt? Hätte es auch sparsamer hergestellt werden können? Warum wurde es ggf. aufwendiger als nötig produziert?
Welche ökologische Belastung entsteht durch die Entsorgung des Produkts? Was macht man mit der Verpackung, wenn das Produkt ge-/verbraucht ist?
Welche Transportwege und/oder Lagerungsweisen hat das Produkt hinter sich, bis es in den Laden kommt? Gibt es Alternativen, die von der Ökobilanz her besser sind?
Wo und unter welchen Bedingungen wurde ein Produkt hergestellt? Waren Arbeiter unter unwürdigen Umständen am Produktionsprozess beteiligt? Wurden Tiere gequält?
Achtung: Anders als die Kriterien für den Inszenierungswert sind die Kriterien für den sozialen und ökologischen Wert meist nur mit zusätzlicher Information/Recherche anwendbar. Daher benötigt man zuerst Kriterien dafür, welche Informanten/Organisationen vertrauenswürdig sind!






