24. Juni 2010 - 18:00

 auf der Lichtbrücke der HfG Karlsruhe

 

Gesünder und länger Leben: ein uralter Wunschtraum des Menschen

 

Die Geschichte der Medizin und des Krankenhauswesens hat zahlreiche kultur-, medizin- und sozialhistorische Facetten, die unser Gesundheitswesen geprägt haben und bis heute noch mitbestimmen: etwa der Hippokratische Eid aus dem 3. Jahrhundert vor Christus als ethische ärztliche Maxime oder die sorgfältige Beobachtung der Verläufe von Krankheiten unter dem Einfluß von Stress-, Stimmungs- und Umweltfaktoren nach der Temperamentenlehre im Hellenismus. Schließlich sei die Erfindung des Hospitals im 3. Jahrhundert nach Christus als Wohlfahrtsanstalt genannt.

 

Den institutionellen Ursprung des modernen Gesundheitswesens bilden die Asklepieien, die im 5.Jahrhundert vor Christus erstmals in der antiken Welt nachweisbar sind. Sie wurden bis in die späte Römerzeit als ganzheitliche Heilstätten geschätzt. Empirische und metaphysische Therapien gingen in diesen Anlagen, in klimatisch bevorzugten Gegenden errichtet, Hand in Hand mit naturheilkundlichen Anwendungen und spiritistischen Sitzungen.

 

Alle diese Beispiele bieten Bezugspunkte zur Gegenwart der Heilkunde etwa bei chronisch verlaufenden Krankheitsprozessen: so in den heute ganzheitlich angelegten Therapien von Depressionen, Psychosen, Schmerzen, Schlafstörungen oder Esstörungen.

 

In der Regel helfen Patienten mit chronischen Erkrankungen, die fast immer Leib und Seele beeinträchtigen, Medikamente allein nicht. Neben ärztlichen Methoden tritt die psychosomatische Schmerzbehandlung. So soll in dieser Vorlesung besonders zu diesem Thema ein Bogen von der Antike bis in die Gegenwart gespannt werden.

 

Zur Entwicklung des Krankenhauses

 

Die heutigen Kliniken, Krankenhäuser und Seniorenzentren sind ohne das mittelalterliche Hospitalwesen kaum denkbar. Seit dem frühen Mittelalter entfaltete sich das Hospital als multifunktionale Wohlfahrtsinstitution für Bedürftige aller Art. Es gab unterschiedliche Ausprägungen wie etwa die Pfründnerhäuser, die Waisenhäuser, die Seuchenlazarette oder die Bewahranstalten für Geisteskranke in ganz Europa.

 

Seitdem vollzieht sich seit sechs Generationen in unterschiedlichen Etappen ein sich stets weiter differenzierendes Hospitalwesen, das im 18. Jahrhundert in der Zeit der Aufklärung einen besonderen neuen Hospitaltyp hervorbrachte, der nur noch für die „kranken Bedürftigen“ gedacht war.

 

Die Heilstätten für Tuberkulose und Kuranstalten ebenso wie Seehospize kamen im 19. Jahrhundert hinzu.

 

Es handelt sich seitdem bei diesen speziell auf Hygiene ausgerichteten Wohlfahrtsanstalten mit ihren stationär aufgenommenen Patienten um solche Kranke, die man aus ärztlicher Sicht  als „heilbar“ diagnostizierte: das Krankenhaus war damit geboren. Die Entwicklung des „Krankenhauses“ zum Großkrankenhaus und Mammutklinikum geht in unserer Gegenwart hin zu Gesundheitszentren, kleineren klinischen Abteilungen und hin von öffentlichen zu privaten Trägern.

 

In fast allen europäischen Staaten von England bis Portugal, von Frankreich bis Polen hat sich trotz allem Wandel nach wie vor die Bezeichnung „Hospital“ erhalten. Diese Wohlfahrtsinstitution, die dem öffentlichen Armenwesen bzw. Gesundheitsbehörden unterstellt wurde und heute noch teilweise ist, gab man in Frankreich und Preußen auch den Namen „Charité.“ Zuvor schon hatten sich unter Vinzenz von Paul (1581-1660) in Frankreich Pflegeorden wie die der „Filles de la Charité“ gebildet, die sich bis heute der Betreuung von kranken Menschen zu Hause oder im Hospital verschrieben haben.

 

In den vergangenen Jahrzehnten wurde in Europa zunehmend Eigenverantwortung vom Bürger gefordert. Krankenschwestern übernehmen mehr und mehr ärztliche Aufgaben und mögliche medizinische Leistungen werden hinsichtlich ihres Einsatzes im Hinblick auf das Leben des Patienten und den ökonomische Strukturen sorgfältig abgewogen (in Finnland die Regel). Das Krankenhaus macht eine Entwicklung durch, die wieder wie einst mehrere Funktionen als postmoderne Gesundheitszentren unter seinem Dach vereinigt: Arztzentren als „An“-Institute an den Kliniken, Eingliederung von palliativmedizinischen Stationen, psychiatrischen Abteilungen und Polikliniken. Außerdem kommen mehr plastische, chirurgische Abteilungen und Möglichkeiten der Rehabilitation in angebundenen Instituten ebenso wie Cafés und Läden hinzu. Dieser Themenbereich soll auch anhand von bildlichen Beispielen besprochen werden.

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Axel Hinrich Murken - Historische Entwicklung der Medizin und aktuelle Tendenzen.pdf11.94 MB