9. Februar 2012 - 18:00
im Lichthof der HfG Karlsruhe

 

 

 

Operationen – gestern und heute

Von der Wundarznei zu High-Tech-Medizin

Eine beispielhafte Erfolgsgeschichte der Chirurgie

 

 

 

Seit Beginn der Geschichte der Menschheit vor 50000 Jahren haben geübte Heilkundige operative Eingriffe durchgeführt. Aber es handelte sich dabei nur um eine externe Chirurgie, die nur am Kopf, an den Extremitäten und an der Haut und Muskeln mit unsauberen Messern, Sägen und Zangen sich betätigte. Die Schmerzen der Patienten und die meistens tödlich verlaufenden Wundfieber danach nahm man schicksalhaft in Kauf. An Operationen im Brustkorb und im Bauchraum wagte man sich wegen der Vergeblichkeit des Erfolges gar nicht heran. Aufgrund mangelnder Hygiene und geringer medizinischer Kenntnisse war kaum eine Überlebenschance für die operierten Patienten zu erwarten. Die einzige Ausnahme für eine Bauchoperation war die „Sectio Cäsarea“, um im äußersten Notfall für Mutter und Kind wenigstens das Kind lebend zu entbinden. Der Kaiserschnitt bedeutete aber zugleich den Tod der Mutter aufgrund der dadurch ausgelösten Sepsis.

 

Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts mit der Einführung der Narkoseverfahren (Lachgas und Äther) seit 1844 und 1846 sowie der Entwicklung der Antisepsis seit 1867 konnten die Chirurgen mit steigendem Erfolg und ohne Gefahr für das Leben der Patienten in allen Regionen des menschlichen Körpers schmerz- und keimfrei operieren. Schließlich begann in den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts der Siegeszug der Chirurgie: So waren beispielsweise Blinddarmentzündungen, Magengeschwüre oder Gallenleiden keine lebensbedrohenden Erkrankungen mehr.

 

 

Die Anästhesie und die Anti- und Asepsis legten seit Ende des 19. Jahrhunderts die Basis für die klinische Medizin. Damit war der Startschuß für den modernen Ausbau des Krankenhauswesens und der Universitätskliniken gegeben. Denn Krankenhäuser mit ihren hygienischen Einrichtungen, wie ihren eigens konstruierten Operationssälen, mit ihren sterilisierten Instrumenten, Wundverbänden und Apparaturen waren unverzichtbare Voraussetzungen für die Chirurgie geworden. Außerdem konnte man mit den Desinfektionsmethoden der Hände, der OP-Handschuhe und der Kittel der Operateure die Risiken spätestens seit 1890 erheblich minimieren. Die Chirurgen selbst stiegen damals aufgrund der ungeahnten Heilmöglichkeiten im Ansehen der Bevölkerung zu „Halbgöttern in weiß“ auf. In der bildenden Kunst spiegelt sich in einer Fülle von Bildern der Salonmalerei dieser damals sensationelle Erfolg der Chirurgie über Leib und Leben wider.

 

So wird seitdem mit laufend neueren erfolgreichen chirurgischen Methoden an Herz und Nieren, an Gefäßen und Gelenken im Krankheitsfall das Leben des Menschen gerettet. Die chirurgischen Eingriffe entwickeln sich mit Hilfe biomedizinischer Maschinen (z. B. Narkose - ebenso wie Herz-Lungen-Maschinen) immer schonender für den Patienten. Dies ist auch der sogenannten Schlüssellochchirurgie, den minimalinvasiven Methoden, mit ihren überwachenden Computern und Monitoren zu verdanken. All das hat sich seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts zur Routine in den Kliniken eingebürgert.

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