Das Abendland als ein christliches Phänomen ist eine Fiktion: Wir müssen uns aktuell zurückbesinnen auf die Traditionen, die Europa in den vergangenen 2500 Jahren geprägt haben - insbesondere auf die islamischen Tradition und auf das Judentum, das als erste monotheistische Religion stets eine Mittlerfunktion zwischen den Kulturen eingenommen hat. Aus dieser Sicht hat das Judentum die entscheidende Übersetzungsarbeit zwischen der Tradition und der Moderne in Europa geleistet, wie der Philosoph Jürgen Habermas jüngst in seinem Jerusalemer Vortrag deutlich machte. Denn die religiöse, politische, nationale und persönliche Identitäten sind im Judentum seit jeher engsten miteinander verbunden, und sollte aus dieser Erfahrung heraus ein Modell für Europa sein können. Hier könnte sich auch eine neue kulturelle Magna Charta anlehnen, die nun endlich formuliert werden muss in den Zeiten der Herausforderung und Krise Europas.






