Wer heute nicht kränker aus dem Hospital entlassen werden will, als er hineingegangen ist, muss schon erhebliches über unser Gesundheitssystem gelernt haben. Wer sich Heilspredigern Sinn suchend anschließt, muss wissen, wie man sich dem Psychoterror von Sekten oder Fundamentalisten aller Couleur entziehen kann. Wer einen neuen Computer kauft, wird Tage, ja Wochen damit zubringen, ihn halbwegs bedienen zu lernen. Wer vor Paketversandautomaten nicht nach stundenlangem vergeblichen Probieren irre werden möchte und sich nicht als Kunde zum Knecht der Warenanbieter degradieren lassen will, sollte einsehen, dass der angebliche König Kunde den Unternehmen allein in Deutschland jährlich hunderte Millionen zusätzlichen Gewinn dadurch verschafft, dass er gezwungen ist, alle Serviceleistung selber unentgeltlich zu erbringen. Service? Alles fauler Zauber?

 

Wo lernt der Bürger, sich als Kunde, Gläubiger, Wähler, Rezipient und Patient zu behaupten?

 

Zwar bilden wir Künstler in Akademien und Hochschulen aus. Sie studieren und arbeiten jahrelang, bevor sie sich dem Publikum stellen dürfen. Aber wer kümmert sich um die Ausbildung des Publikums, für das Künstler ja ihre höchst anspruchsvollen Werke schaffen? Kommt es nicht einer Herabwürdigung der Arbeit von Wissenschaftlern und Künstlern gleich, wenn man selbstverständlich voraussetzt, schwierigste Werkkonzepte oder Forschungsansätze könnte das Publikum mal eben so nebenbei in wenigen Stunden für sich erschließen? Wenn Künstler es nur im jahrlangen Studium erreichen, Diplome und Staatsexamen abzulegen, können wir nicht ohne angemessene Kenntnis deren Arbeitsresultate beurteilen oder gar für uns zu nutzen wissen. Wo lernt man das? In den Besucherschulen, in den Patientenkursen, im Konsumententraining, in den Saulus-Übungen der Kritikfähigkeit, kurz, in der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.

 

Ab dem Sommersemester 2010 bietet „Der professionalisierte Bürger“ Ausbildungsangebote für Diplom-Rezipienten, Diplom-Patienten, Diplom-Konsumenten, Diplom-Bürger und Diplom-Gläubige für Bürger aller Altersgruppen an.